Luxemburg (Norden und Südwesten)

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Über HiReach

“HiReach ist eine dreijährige (2017-2020) Forschungs- und Innovationsaktion (RIA), die im Rahmen von Horizont 2020, dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, gefördert wird.

HiReach konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Anwendungen und Geschäftsmodelle zur Verbesserung der Mobilitaet in schwierigen Bereichen. HiReach baut auf dem Potenzial auf, einzelne, spezielle und nicht koordinierte oder optimierte Reiseanfragen und -bedürfnisse von verschiedenen Nutzergruppen zu bündeln um integrative und partizipative Mobilität zu fördern.

HiReach wendet sich gezielt an folgende Gruppen:

  • Personen mit vorübergehender oder dauerhafter eingeschränkter Mobilität
  • Kinder und Jugendliche
  • Ältere Menschen
  • Frauen
  • Migranten und ethnische Minderheiten
  • Menschen mit geringem Einkommen und Arbeitslose
  • Menschen in ländlichen und benachteiligten Gebieten

HiReach wird:

  • tragfähige Geschäftsmodelle für kleine, modulare und einfach replizierbare Mobilitätsdienste zu erschwinglichen Preisen und / oder mit minimalen Subventionen erforschen
  • soziale Innovationsprozesse durch eine gründliche (Mikro-) Analyse der Fähigkeiten bzw. Einstellungen verschiedener sozialer Gruppen und ihrer direkten Beteiligung als Mitbenutzer und Miteigentümer der vorgeschlagenen Lösungen fördern
  • neue Lösungen basierend auf der kreativen Arbeit von Start-ups und innovativen Unternehmern erforschen und testen
  • Open-Source-Tools, Anleitungen und Unterstützung für Entwickler sowie Testbeds für neue, inklusive Mobilitätslösungen bereitstellen"

 

HiReach Feldarbeit

In jeder lokalen Fallstudie umfasst die Analysephase eine öffentliche Konsultation zwischen lokalen Behörden, Verkehrsunternehmen, Vertretern von Interessengruppen (z. B. Menschen mit Behinderungen, Arbeitslose, Kinder, ältere Menschen, Migranten, andere von Ausgrenzung bedrohte Bürger); die Installation von Fokusgruppen; und Tiefeninterviews mit lokalen Fachleuten und Interessengruppen.

Durch die Nutzung der Fallstudien und deren Erfahrungen und die Nutzung der in diesen Bereichen vorhandenen Netzwerke wird HiReach in der Lage sein, eine mikroperspektivische Analyse durchzufuehren.

 

HiReach in den südöstlichen und nördlichen Regionen Luxemburgs

Das Land Luxemburg hat etwa 580.000 Einwohner. Die Einwohnerzahl steigt jedes Jahr um 2% (ungefähr 12.000 Einwohner). Der Grund liegt vor allem an der hohen Einwanderungszahl europäischer Bürger. Die Stadt Luxemburg kann als die aktivste Wirtschaftsregion betrachtet werden. Die meisten Institutionen der Europäischen Union befinden sich in der Stadt. Im Jahr 2016 beschäftigte die Stadt Luxemburg fast 170.000 Arbeitnehmer, 47% der Gesamtbeschäftigung des Landes. Die hohe Zahl der Beschäftigten erklärt sich auch durch die Grenzgänger, die aus den Grenzregionen Frankreichs, Belgiens und Deutschlands nach Luxemburg pendeln, um dort zu arbeiten. Die meisten Einwohner leben in der Stadt Luxemburg und den umliegenden Gebieten. Gefolgt von der Südwestregion des Landes, die eine hohe Bevölkerungsdichte aufweist. Eine zusätzliche Wirtschaftszone, unter dem Namen Belval, befindet sich in dieser Region. Diese gehörte zum ehemaligen Stahlindustriegebiet.

Die süd-östliche Region, auch bekannt als das Dreiländereck (Frankreich, Luxemburg und Deutschland), ist überwiegend ländlich geprägt. Der Norden des Landes, der sich über ein Drittel des Landes erstreckt, sowie die angrenzenden grenzüberschreitenden Gebiete können als benachteiligte ländliche Gebiete betrachtet werden. Die Bevölkerung im Norden des Landes ist sehr verteilt und umfasst etwa 80.000 Einwohner.

Das öffentliche Verkehrsnetz ist in beiden Fällen weniger dicht als in den Wirtschaftszentren. In HiReach liegt der Fokus besonders auf diesen beiden Bereichen. Das Thema Verkehrsarmut in Bezug auf räumliche Merkmale bezieht sich speziell auf den Preis für Wohnraum und Land. Aufgrund der Beschäftigungskonzentration in der Stadt Luxemburg unterscheidet sich der durchschnittliche erworbene Preis zwischen den Wirtschaftszentren und den HiReach-Bereichen sehr stark. Im Jahr 2015 betrug der durchschnittliche erworbene Preis für den Kauf einer Wohnung in der Stadt Luxemburg rund 7,100 EUR / m² gegenüber 5.200 EUR / m² für das übrige Land. Für ein Haus in Luxemburg Stadt musste man 5,500 EUR / m² gegen 3,900 EUR / m² für den Rest des Landes finanzieren (Conseil Economique et Social 2017). Gleiches gilt für die Kosten von bebaubarem Land. Der Durchschnittspreis eines Grundstücks, das sich etwa 30 Minuten von Luxemburg-Stadt entfernt befindet, beträgt etwa 38% des Durchschnittswerts in der Hauptstadt. Bei einer Fahrdistanz von 60 Minuten von der Hauptstadt in eine der abgelegenen Regionen, ist der Durchschnittspreis fünfmal niedriger als der in der Stadt Luxemburg gemessene Durchschnittspreis.

Eine Besonderheit von Luxemburg ist der Multikulturalismus. Menschen verschiedener Nationalitäten leben zusammen im Land. Nur 55,5% der Bevölkerung hat die luxemburgische Staatsangehörigkeit, von der ein hoher Anteil von Eltern eine andere Staatsangehörigkeit haben. Über 16,4% der Einwohner haben die portugiesische Nationalität, 6,6% die Französische und 21,5% der Bevölkerung haben eine andere Nationalität. Die meisten Grenzgänger und Familien haben die Staatsangehörigkeit ihres Wohnsitzes (z. B. die Französische in Frankreich). Allerdings ist bei jungen Familien, auch mit luxemburgischem Ursprung, aufgrund der hohen Preise für Wohnungen ein beginnender Trend zu beobachten: die Auswanderung in grenzüberschreitende Regionen. In Bezug auf das Armutsrisiko besteht je nach Nationalität und sozialer Gruppe innerhalb Luxemburgs ein großer Unterschied. Das Armutsrisiko liegt bei den Einwohnern mit luxemburgischer Staatsangehörigkeit bei 7,9%, bei Portugiesen jedoch bei 30%. Dies scheint hauptsächlich auf den unterschiedlichen Zugang zum Arbeitsmarkt sowie die Zeit des Aufenthalts in dem Land zurückzuführen zu sein.

Die Fokusgruppen, die durchgeführt wurden, konzentrierten sich auf Migranten und Menschen, die in abgelegenen und benachteiligten ländlichen Gebieten leben (eine Gruppe mit nur Frauen und eine Gruppe mit nur Männern). Sie wurden eingeladen, über ihre Mobilitätsbedürfnisse und zusammenhängenden Fragen der Verkehrsarmut zu diskutieren. Die Fokusgruppen wurden in den Monaten August bis Oktober 2018 durchgeführt.

Darüber hinaus wurden Experteninterviews geführt mit:

  • dem Verkehrsministerium
  • 2 Transportunternehmer
  • LISER (luxemburgische Institution für sozioökonomische Forschung)
  • FPE (Forum pour l´emploi)
  • Bummelbus (Dienst von FPE)
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